Escape Room Game “Tenses” – von der Planung bis zur Umsetzung

Escape Room Game “Tenses” – von der Planung bis zur Umsetzung

Escape Room Game

Ich habe mich neulich an mein erstes digitales “Escape Room Game” gewagt. Das wollte ich schon seit langer Zeit machen, da ich selbst ein großer Fan von Escape Room Spielen bin.

Escape Room Games sind auch bei Schülern sehr beliebt. Denn statt “trockener” Übungen können sie so Gelerntes mithilfe von Rätseln und Aufgaben wiederholen, die in eine “Story” eingbettet sind.

Ich stelle euch in diesem Artikel mein Escape Room Game zum Thema “Tenses” (Englischunterricht) vor und gebe euch einen Einblick in meine Überlegungen und Umsetzungstricks.

Doch fangen wir vorne an.

Was ist ein Escape Room Game?

Bei Escape Room Games geht es vor allem darum, eine Reihe von Rätseln und Aufgaben zu lösen, um so an “Codes” zu gelangen, mit denen man aus einer bestimmten Situation “entfliehen” kann. Die Story ist hier also entscheidend und bildet die Basis für das gesamte Spiel.

Typische Situationen in einem Escape Room Game sind:

  • man ist in einem Raum / Gebäude gefangen
  • man muss die Welt vor einer Katastrophe retten
  • man hat sich verlaufen / findet sich in einer unbekannten Gegend wieder und muss den Weg zurück finden
  • etc.

Damit man der Situation entfliehen kann, muss man verschiedene Rätsel und Aufgaben lösen. Für jedes gelöste Rätsel erhält man einen Code oder weiteren Hinweis. Hat man alle Codes und Hinweise gefunden, kann man typischerweise ein Schloss (oder mehrere Schlösser) öffnen und so der Situation entfliehen.

Diese “Schlösser” können entweder tatsächlich echte Schlösser sein (z.B. Zahlenschlösser) oder man kann “digitale Schlösser” erstellen. Dabei handelt es sich typischerweise um Online-Formulare, in die man die Codes eingibt. Ich habe mich für meinen Escape Room für letztere Variante entschieden (mehr dazu gleich).

Wie kann man Escape Room Games im Unterricht einsetzen?

Escape Room Games eignen sich vor allem zur Wiederholung von Unterrichtsinhalten. Statt den Schülern Arbeitsblättern mit Übungen zu geben, kann man diese Übungen auch in Rätsel für einen Escape Room umwandeln. Wetten, die Schüler gehen gleich viel motivierter an die Arbeit? 🙂

Natürlich ist die Vorbereitung eines Escape Room Games etwas aufwendiger. Das hängst vor allem davon ab, wie komplex man das Escape Room Game und die einzelnen Aufgaben gestaltet.

Digitale Versionen haben meist eine geringere Vorbereitungszeit, da im Vorfeld keine Elemente augeschnitten und laminiert werden müssen.

Escape Room Games können übrigens sowohl in Gruppen- als auch in Partner- oder Einzelarbeit bearbeitet werden.

Ein Escape Room Game planen

Am Anfang steht natürlich die Planung. Die ist bei einem Escape Room Spiel besonders wichtig, da die einzelnen Aufgaben sich ja später in ein “Ganzes” einfügen sollen.

Zunächst muss man sich natürlich überlegen, zu welchem Thema man ein Escape Room Game erstellen möchte und was das Ziel sein soll.

Mein Escape Room zum Thema “Tenses” basiert auf einem Lernzirkel, den ich vor ein paar Jahren einmal für eine siebte Klasse zur Wiederholung der Zeiten “present progressive”, simple present”, “simple past”, “present perfect” und “going-to future” erstellt habe.

Ziel des Escape Room Games ist es also, die richtige Verwendung der verschiedenen Zeitformen zu festigen.

Nachdem man das Ziel festgelegt hat, besteht der nächste Schritt darin, die einzelnen Aufgaben zu konzipieren. Da ich ja bereits die Aufgaben aus dem Lernzirkel hatte (6 Stück), musste ich mir hier nichts Neues überlegen. Die Herausforderung bestand eher darin, die Aufgaben (in Papierformat) in eine digitale Version umzuwandeln.

Wenn die Aufgaben stehen, muss man sich natürlich auch noch überlegen, in welcher Form die Schüler für die Lösung der Aufgaben die Codes erhalten und wie sie die Richtigkeit der Codes überprüfen können (Schloss).

Die Story

Wie bereits gesagt, bildet die Story die Basis des Escape Room Games. Sie ist zudem entscheidend für die Motivation der Schüler. Am besten wählt man Storys, mit denen sich die Schüler identifizieren können.

Für mein Escape Room Game habe ich mich für einen “Wanderausflug” entschieden. Die Schüler haben sich verlaufen. Smartphones funktionieren nicht und bald wird es dunkel. Zum Glück hat jemand ein GPS-Gerät in einer Kiste hinterlassen. Doch die Kiste ist mit einem Schloss versehen. Die Schüler müssen die Codes finden, um die Kiste zu öffnen und das GPS-Gerät zu erhalten.

Natürlich erhalten die Schüler auch eine “Karte”, mithilfe derer sie die Codes finden können:

Technische Überlegungen

Wie bereits erwähnt, bestand eine der größten Herausforderungen für mich darin, die Aufgaben in eine digitale Form umzuwandeln.

Zur Auswahl standen:

  • Aufgaben werden komplett online (mit verschiedenen Tools) gelöst
  • Interaktive PDF-Datei
  • PowerPoint / Google Präsentationen

Zunächst überlege ich immer, welche technischen Lösungen den Schülern zur Verfügung stehen. Da cih das Escape Room Game nicht nur für mich, sondern auch anderen Lehrer*innen zur Verfügung stehen wollte, konnte ich diese Frage natürlich nicht beantworten.

Daher habe ich mich dazu entschieden, in jedem Fall zusätzlich auch noch eine Papierversion in Form von Arbeitsblättern zu erstellen.

Für die digitale Version wäre das interaktive PDF meine erste Wahl gewesen, da die Schüler dafür kein spezielles Programm oder eine Internetverbindung benötigen. Allerdings kann man ein interaktives PDF nur für statische Aufgaben verwenden. Ich hatte für meinen Escape Room aber mehrere Aufgaben, bei denen man Objekte verschieben und neu anordnen muss. Daher schied das interaktive PDF leider aus.

Eine komplette Online-Lösung erschien ebenfalls schwierig, da ich für die Aufgaben verschiedene Online-Tools benötigen würde, was immer das Risiko birgt, dass bestimmte Seiten zum Beispiel zu bestimmten Zeitpunkten nicht erreichbar sind.

Daher habe ich mich dazu entschieden, die digitale Version mithilfe von PowerPoint zu erstellen. Im Bearbeitungsmodus können die Schüler Objekte problemlos verschieben und neu anordnen.

Weitere Vorteile:

  • viele Schulen verfügen über kostenlose PowerPoint (Microsoft) – Lizenzen für die Schüler
  • keine Internetverbindung erforderlich (außer bei PowerPoint Online s.u.)
  • viele Schüler kennen PowerPoint und haben bereits damit gearbeitet
  • Schüler, die über keine PowerPoint-Lizenz verfügen, können die Aufgaben mithilfe von PowerPoint Online (kostenlos) bearbeiten (kosenloses Microsoft-Konto erforderlich, um Datei zu speichern)
  • die PowerPoint-Datei lässt sich auch schnell in eine Google Präsentation verwandeln und kann so auch mithilfe des kostenlosen Programms “Google Präsentationen” bearbeitet werden (kostenloses Google-Konto erforderlich)

 

Umsetzung der digitalen Aufgaben

Bei der Erstellung der Aufgaben für Escape Room Games sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Im Folgenden zeige ich euch, wie ich meine gewählten Aufgaben als digitale Versionen umgesetzt habe:

1. Quadromino

Bei der ersten Aufgabe handelt es sich um ein Quadromino. Dabei müssen die Schüler Quadrate mit Formen unregelmäßiger Verben auf einem Board so anordnen, dass sich jeweils die 3 Zeitformen sowie die deutsche Übersetzung des Verbs in einer Raute befinden.

Haben die Schüler alle Quadrate richtig angeordnet, schieben sie die Quadrate mit den Zahlen darauf nochmal weg und notieren die darunterliegenden Buchstaben, welche den Code ergeben.

2. Word Search

Die zweite Aufgabe ist ein klassisches Wortsuchrätsel. Es müssen jeweils die 3 Verbformen von ingesamt 8 Verben gefunden werden. Die überlappenden Buchstaben ergeben das nächste Codewort.

3. Signal Words

Bei der dritten Aufgabe müssen die Schüler Puzzleteile zusammenfügen. Dabei müssen sie einem Satz das fehlende Signalwort sowie die entsprechende Zeit zuordnen.

Die Buchstaben auf den Puzzleteilen ergeben in der richtigen Reihenfolge den nächsten Code.

4. Mixed Tenses

Bei der vierten Station handelt es sich um eine klassische Lückentext-Aufgabe. Die Schüler müssen aus 3 Möglichkeiten die jeweils richtige Zeit / Verbform auswählen. Die Zahlen der richtigen Antworten ergeben den Code.

5. Q & A

Bei dieser Aufgabe müssen die Schüler Schnipsel in die richtige Reihenfolge bringen. Dabei soll der obere Satz eines Schnipsels immer die Frage des vorherigen Schnipsels beantworten. Hier geht es auch wieder darum, auf die richtige Zeit zu achten. Die Buchstaben am Ende der Schnipsel ergeben in der richtigen Reihenfolge den Code.

6. Mountain Quiz

Bei dem “Mountain Quiz” handelt es sich um ein Multiple Choice Quiz zum Thema “Tenses”. Die Schüler markieren die richtigen Antworten mit einem grünen Häkchen. Die Zahlen hinter den richtigen Antworten ergeben den letzten Code.

Das "Schloss"

Wie bereits oben erwähnt, darf in einem Escape Room Game natürlich das Schloss nicht fehlen, das es zu knacken gilt. Ich habe mich auch hier für eine digitale Version entschieden.

Der Vorteil ist, dass man kein echtes Schloss braucht und die Schüler jederzeit selbst überprüfen können, ob ihre Codes und damit die gelösten Aufgaben richtig sind.

Ich habe für das digitale Schloss einfach mithilfe von H5P ein Online-Formular erstellt, in das die Schüler die Codes nacheinander eintragen und jeweils direkt ein Feedback darüber erhalten, ob der Code richtig ist. Haben sie alle Codes korrekt eingegeben, erscheint die Meldung, dass sie die Kiste erfolgreich geöffnet haben und nun mithilfe des GPS-Gerätes den Weg nach Hause antreten können.

Fazit

Escape Room Games sind eine super Möglichkeit, Unterrichtsinhalte auf spielerische und motivierende Weise zu wiederholen. Digitale Versionen bieten zudem den Vorteil, dass sie ohne große Vorbereitungszeit jederzeit im Unterricht (auch im Homeschooling) eingesetzt werden können.

Das in diesem Artikel vorgestellte Escape Room Game “Tenses” findet ihr übrigens bei Lehrermarktplatz. Hier ist auch eine ausdruckbare Papierversion enthalten.

Was haltet ihr von Escape Room Games? Habt ihr sie bereits im Unterricht eingesetzt?

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